ABDOMINELLE SCHMERZEN
 
chronische abdominelle Schmerzen 

Als Abd omen wird gemeinhin der Ba uch bezeichnet, also der Rumpfabschnitt zwischen Brus tkorb und Bec ken, bestehend aus B auchwand, -höhle (Cavitas abdominalis) und -eingewe iden. Schmerzen in diesem Bereich werden entsprechend als abdominelle Schmerzen bezeichnet, unabhängig davon, ob es sich dabei um v iszerale (= von den Bauchorganen ausgehenden) oder soma tische bzw. pa rietale (= von einer Körperhöhle-, Organ- oder Gefäßwand ausgehenden) Schmerzen handelt.

1) Abdominelle Schmerzen, den Obe rbauch betreffend

Als Obe rbauch wird der Ba uch oberhalb des Nabels bezeichnet.

Chronische (= länger als 3 Monate anhaltende) abdominelle Schmerzen oberhalb des Nabels gehen überwiegend von der Bauchspeicheldrüse und dem M agen aus.

Abdominelle Schmerzen oberhalb des Nabels infolge einer Affektion (= Störung / Erkrankung) der Bauchspeicheldrüse liegen meist eine chronische Pankreatitis zugrunde. Dabei kommt es zu dumpfen, zum Teil aber auch schneidenden abdominelle n Schmerzen, die zunächst gelegentlich auftreten und durch Essen oder Alkohol ausgelöst werden können. Die Schmerzen können bis in den Rüc ken ausstrahlen (oft zwischen die Schulterblätter). Später dauern die Schmerzen über Tage oder sogar Wochen an. Es gibt auch schmerzlose Formen (ca 6 Prozent der Fälle).
In den westlichen Ländern ist die häufigste Ursache ein Alkoholmissbrauch.
Seltenere Ursachen sind: Arterienverkalkung, Missbildungen, Gallenwegserkrankungen, Störungen im Hormon- und Fettstoffwechsel oder Verstopfung des Pankreasganges. Häufig bleibt die Ursache aber auch unbekannt.

Abdominelle Schmerzen oberhalb des Nabels infolge einer Affektion (= Störung / Erkrankung) des Magens sind meist auf eine chronische Gastritis zurückzuführen. Dabei handelt es sich um eine chronische Entzündung der Magenschleimhaut.
Häufige Ursachen sind:

  1. Befall der Magenschleimhaut mit dem Bakterium Helicobacter pylori (85 % der Fälle).

  2. Medikamente wie Analgetika (= Schmerzmittel), insbesondere Rheumamittel, Kortison.

  3. übermäßiger Alkohol- und/oder Nikotingenuß

  4. Autoimmunerkrankung: Das Immunsystem bildet Abwehrstoffe (Antikörper) gegen Magenschleimhautzellen.

Seltenere Gastritisformen sind granulomatöse (= mit knötchenartigen Veränderungen einhergehende) Gastritis (Auftreten bei Morbus Crohn, Sarkoidose (= eine Krankheit, die mit zahlreicher Knötchenbildung einhergeht), Tuberkulose), eosinophile Gastritis (z.B. im Rahmen einer eosinophilen Gastroenteritis (= gleichzeitige Schleimhautentzündung des Magens und des Dünndarms)).
Neben abdominelle n Schmerzen treten bei der chronischen Gastritis uncharakteristische Oberbauchbeschwerden wie Blähungen, Aufstoßen oder Völlegefühl nach den Mahlzeiten auf.

In diesem Zusammenhang ist auch die sog. Dyspeps ie zu nennen. Dieser Begriff ist eine zusammenfassende Bezeichnung für Oberbauchbeschwerden unterschiedlicher Genese (= Entstehung, Entwicklung), z.B. bei:

Diese abdominelle Schmerzen oberhalb des Nabels gehen i.d.R. mit Völlegefühl, Übelkeit, Sodbrennen usw. einher.

Auch die Darmerkrankungen Morbus Croh n und Kol itis u lcerosa können zu abdominelle n Schmerzen oberhalb des Nabels führen, relativ selten treten diese aber isoliert auf, meist sind auch noch andere B auchabschnitte betroffen (siehe unten).

Ansonsten kommt als Ursache für chronische abdominelle Schmerzen oberhalb des Nabels auch eine Cholezystitis infrage. Dabei handelt es sich um eine Entzünd ung der Gallenblasenwand, die zumeist durch Gallenblasensteine ausgelöst wird (akute Cholezystitis). Andere seltenere Ursachen können große B auchoperationen, Infektionen und Unfälle, die mit begleitender Gallenblasenentzündung einhergehen, sein. Kommt es häufiger zu einer derartigen Entzünd ung, kann diese chronisch werden, eine sogenannte chronische Cholezystitis. Frauen erkranken häufiger als Männer.

Im Sinne eines Übertragungsschmerzes können abdominelle Schmerzen oberhalb des Nabels aber auch durch akute Erkrankungen des Herzens (z.B. Herzinfarkt) hervorgerufen werden.

Schließlich wäre noch anzuführen, daß auch Tumore zu anhaltenden Obe rbauchschmerzen führen können.

2) Abdominelle Schmerzen, den Unte rleib betreffend

Von chronischen abdominelle n Schmerzen im Unte rleib sind zu 80% Frauen und nur zu 20% Männer betroffen. Dies liegt daran, daß bei der Frau auch die inneren weiblichen Geschlechtsorgane wie Eierstöcke, Eileiter und die Gebärmutter im Unte rleib liegen. Sind diese Organe in ihrer Funktionsweise beeinträchtigt, verursachen sie Beschwerden. 

Akute (= plötzlich einsetzende) abdominelle Schmerzen im Unterlei b bedürfen der sofortigen fachärztlichen Abklärung und Behandlung (Chirurgie, Urologie, bei Frauen auch Gynäkologie).

Mögliche Ursachen für einseitig auftretende abdominelle Schmerzen im Unterlei b sind: 

Mögliche Ursachen für beidseitig auftretende abdominelle Schmerzen im Unterlei b sind: 

In diesem Zusammenhang ist auch die sog. Pelvipat hie aufzuführen. Dieser Begriff steht für chronische (= länger als sechs Monate anhaltende) abdominelle Schmerzen im Unterlei b bei Frauen. Weitere gebräuchlichen Bezeichnungen sind Pelvipat hia, chron ic pel vic pain (CPP) und Hysteralg ie.
Die häufigsten Ursachen für abdominelle Schmerzen im Rahmen einer Pelvipat hie sind:

  1. Adhäsionen (= entzündlich bedingte, flächenhafte oder strangförmige bindegewebige Verwachsung aneinanderliegender Organabschnitte)

  2. Myome (= gutartiges Muskelzellengeschwulst) und

  3. Endometriose (= gutartige Wucherung der Gebärmutterschleimhaut).

Auch ein Tumor kann zu einem ein- oder beidseitigen Unte rleibs schmerzen führen.

Schließlich können sich hinter chronischen abdominelle n Schmerzen im Unterlei b auch Veränderungen an der Wir belsäule, wie zum Beispiel Abnutzungserscheinungen verbergen.

Insgesamt dürften für chronische abdominelle Schmerzen im Unterlei b hauptsächlich Verwachsungen bzw. Adhäsionen verantwortlich sein. Vorangegangen ist eine B auchoperation, meist aber mehrere. Es liegen entzündlich bedingte, flächenhafte oder strangförmige, nach Verklebung durch Fibrin entstandene, bindegewebige Verwachsung aneinanderliegender, Serosa- (= Hüllschicht) überzogener Organabschnitte vor.
Bei abdominelle n Schmerzen aufgrund von Verwachsungen (Adhäsionen) besteht die große Gefahr, daß mit jedem weiteren operativen Eingriff die Verwachsungen weiter zunehmen und so das Krankheitsbild verstärken und einer fortschreitenden Chronifizierung Vorschub leisten.

3) Abdominelle Schmerzen, nicht eindeutig nur den Ober- oder Un terbauch betreffend

Folgende, mit abdominelle n Schmerzen einhergehende Krankheitsbilder sind häufiger Anlaß, einen Schmerztherapeuten aufzusuchen:

Schmerztherapie bei chronischen (= länger als drei Monate anhaltenden) abdominelle n Schmerzen

Nicht selten verbleiben trotz einer kausalen (= auf die Ursache gerichteten) fachärztlichen Behandlung weiterhin abdominelle Schmerzen, so daß dann schmerztherapeutische Behandlungsmethoden gefragt sind. Oft sind diese bei verschiedenen Grundkrankheiten die gleichen, da sie sich nach den Schmerzen und ihrer Ausdehnung und nicht mehr vorrangig nach der Ursache richten. Länger bestehende, chronische abdominelle Schmerzen erfordern praktisch immer eine Kombination von verschiedenen Therapieverfahren, die i.d.R. nur in spezialisierte Zentren (Schmerzklinik) angeboten werden können. Bei chronischen abdominelle n Schmerzen sind dies: 

  1. Information über die Erkrankung

  2. Medikamentöse Behandlung (u.a. Analgetika, evtl. auch Spasmolytika (= Mittel  gegen Krampfzustände), schmerzlindernde Psychopharmaka, auch als Infusionen, individuell ausgetestet)

  3. Therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) in Form von Infiltrationen und Nervenblockaden, evtl. rückenmarknahe Blockaden, auch kontinuierlich mit Katheter   

  4. Akupunktur

  5. Evtl. TENS-Therapie (schmerzlindernde elektrische Ströme, die von einem kleinen tragbaren Gerät abgegeben werden)

  6. Psychologische Therapieverfahren (bes. Entspannungsverfahren und Schmerzbewältigungstraining)

  7. Evtl. Physiotherapie (z.B. Kolonmassagen)

  8. diätetische Maßnahmen entspr. der Grundkrankheit

Therapeutische Lokalanästhesie bei chronischen abdominelle n Schmerzen

Die einfachste diesbezügliche Methode ist eine wiederholte Triggerpunktbehandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel. Dabei werden schmerzhafte Reizpunkte am Ba uch infiltriert.

Eine sehr hilfreiche und effektive Therapiemethode ist bei chronischen abdominelle n Schmerzen aus schmerztherapeutischer Sicht die kontinuierliche epidurale (= rückenmarknahe) Blockade mit Katheter
Neben der erwünschten Unterbrechung der Schmerzreizleitung ist ein weiterer nicht zu unterschätzender Vorteil, daß bei dieser Therapie, sozusagen als Nebeneffekt, auch der Grenzstrang (= paarige Nervenstränge des unwillkürlichen Nervensystems neben der Wir belsäule) mit einbezogen wird, so daß es gleichzeitig zu einer erheblichen Durchblutungssteigerung kommt, die jeder entzündlichen Schmerzursache (z.B. Mor bus Croh n, Kol itis u lcerosa, Gastritis, Adhäsionen) fast schon kausal (= auf die Ursache gerichtet) entgegenwirkt. 
Auch bei Verwachsungen ist die sympathikolytische (= gefässerweiternde und damit durchblutungssteigernde) Nebenwirkung hilfreich, indem die entstandenen, bradytrophen (= mit vermindertem Stoffwechsel einhergehenden) Gewebsbereiche besser durchblutet werden und es dadurch zu einer Optimierung der gestörten Mikrozirkulation kommt. 
Nach einer schon älteren englischen Studie konnten mit der kontinuierlichen epiduralen Blockade bei Mor bus Croh n zu einem hohen Prozentsatz die oben erwähnten chirurgischen Eingriffe wenn nicht gar vermieden, so doch erheblich hinausgezögert werden.

Wirkung und Ausmaß einer lumbalen (= den Lendenbereich betreffenden) epiduralen Blockade kann individuell mittels Lokalanästhetikamenge (= Betäubungsmittelmenge) und -konzentration so gesteuert werden, daß die Schmerzreize aus dem gesamten B auchraum bei weitgehend erhaltener Motorik (= Muskelkraft) blockiert werden. Der Erhalt der Motorik hat den Vorteil, daß die Patienten sich unter dieser Therapie weiter frei bewegen können. Bei der sog. kontinuierlichen epiduralen Blockade (= Betäubung) mit Katheter wird ein dünner Kunststoffschlauch vom Rüc ken her dicht an das Rückenmark eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine spezielle Kanüle hindurch, es muß also nicht "aufgeschnitten" werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittels durch den Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Bei technischer Beherrschung, adäquater Lokalanästhetika-Dosierung und Beachtung der hygienischen Belange kann das Behandlungsrisiko als vertretbar eingestuft werden.

Bei tumorbedingten abdominalen Schmerzen kann diese Blockademethode auch angewendet werden, allerdings wird man auf das örtliche Betäubungsmittel verzichten, da in diesem Falle eine gefässerweiternde Wirkung unerwünscht ist, weil diese eine weitere Streuung der Krebszellen begünstigt. Mit einer Morphin-Lösung läßt sich ebenfalls eine gute, schmerzstillende Wirkung erzielen.

Bestehen chronische abdominelle Schmerzen längerfristig, so ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen.

Ergänzende Datei (einfach anklicken):
    Blasenschme rzen
        Magenschme rz (Gastralg ie)

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P Pelvipathie, Periarthropathie,
Q

R
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