SCHMERZEN in der HARNBLASE
Harnblasenschmerzen
Die Harnblase (lat. Vesica urinaria)
befindet sich im kleinen Beck en, sie ist nur zum Teil mit dem Bauchfell
überzogen. Sie ist ein Oval-ähnliches Organ, etwa in der Größe 12 x 10 cm
und faßt ca. 800 ml.
Die Harnblasenentleerung wird im Zentralnervensystem
gesteuert.
Schmerzen in der Harnblase werden in der Unterbauchregion verspürt. I.d.R. besteht auch ein suprapubischer (= oberhalb des Schambeines gelegener) Druckschmerz. Zusammen mit Schmerzen in der Harnblase empfinden die betroffenen Patienten meist auch ein gehäuftes Bedürfnis zur Miktion (= Harnlassen).
Harnblasenschmerzen entstehen durch eine Reizung
der Blasenwand, meist in Folge einer Ent zündung oder Überdehnung
derselben aufgrund einer Abflußstörung, die dann zu einer stark gefüllten Harnblase
führt.
Mögliche Ursachen für eine schmerzhafte Überdehnung der Harnblase:
Harnblasensteine
Ent zündung des Harnblase nhalses
begleitende gynäkologische Erkrankungen (= Frauenkrankheiten)
Obstruktion (= Einengung, Verschluß) z.B. infolge eines Prostatakarzinoms (= Krebs de Vorsteherdrüse) oder auch neurogen (= das Nervensystem betreffend) verursacht
Harnblase ntumor
Harnblase ntamponade (die Harnblase ist mit geronnenem Blut gefüllt)
Schmerztherapie bei Harnblsaenschmerzen (chronische (= länger als drei Monate anhaltende))
Nicht selten verbleiben trotz einer kausalen (= auf die Ursache gerichteten) fachärztlichen Behandlung (Urologie) weiterhin Schmerzen in der Harnblase, so daß dann schmerztherapeutische Behandlungsmethoden gefragt sind. Oft sind diese bei verschiedenen Grundkrankheiten die gleichen, da sie sich nach den Schmerzen und ihrer Ausdehnung und nicht mehr vorrangig nach der Ursache richten. Länger bestehende, chronische Schmerzen in der Harnblase erfordern praktisch immer eine Kombination von verschiedenen Therapieverfahren, die i.d.R. nur in spezialisierte Zentren (Schmerzklinik) angeboten werden können. Bei chronischen Schmerzen in der Harnblase sind dies:
Information über die Erkrankung
Medikamentöse Behandlung (u.a. Analgetika, evtl. auch Spasmolytika (= Mittel gegen Krampfzustände), schmerzlindernde Psychopharmaka, auch als Infusionen, individuell ausgetestet)
Therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) in Form von Infiltrationen und Nervenblockaden, evtl. rückenmarknahe Blockaden, auch kontinuierlich mit Katheter
Evtl. TENS-Therapie (schmerzlindernde elektrische Ströme, die von einem kleinen tragbaren Gerät abgegeben werden)
Psychologische Therapieverfahren (bes. Entspannungsverfahren und Schmerzbewältigungstraining)
Therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) bei Schmerzen in der Harnblase (chronische):
Die einfachste diesbezügliche Methode ist eine wiederholte Triggerpunktbehandlung mit einem örtliche
n Betäubungsmittel. Dabei werden schmerzhafte Reizpunkte in der entsprechenden Head Zone (= eine über das zugehörige Rückenmarksegment laufende Querverbindung zu dem zugeordneten inneren Organ) am Un terbauch infiltriert.Eine sehr hilfreiche und effektive Therapiemethode ist die kontinuierliche epidurale
(= rückenmarknahe) Blockade mit Katheter.Wirkung und Ausmaß einer lumbalen (=
den Lendenbereich betreffenden) epiduralen Blockade kann
individuell mittels Lokalanästhetikamenge (=
Betäubungsmittelmenge)
und -konzentration so gesteuert werden, daß
die Schmerzreize aus dem gesamten Bauchrau m bei weitgehend erhaltener Motorik
(= Muskelkraft) blockiert werden. Der Erhalt der Motorik hat den
Vorteil, daß die Patienten sich unter dieser Therapie weiter frei bewegen
können.
Bei der sog. kontinuierlichen epiduralen Blockade
(=
Betäubung)
mit Katheter wird ein dünner Kunststoffschlauch vom
Rüc ken
her dicht an das Rückenmark eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt
durch eine spezielle Kanüle hindurch, es muß also nicht
"aufgeschnitten" werden. In der Folge wird über diesen Katheter
mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das
örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten
Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittels durch den
Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Bei technischer
Beherrschung, adäquater Lokalanästhetika-Dosierung und Beachtung der
hygienischen Belange kann das Behandlungsrisiko bei Schmerzen (chronische) in der
Harnblase als vertretbar eingestuft
werden.
Bei krebsbedingten Schmerzen in der Harnblase kann diese Blockademethode auch angewendet werden, allerdings wird man auf das örtliche Betäubungsmittel verzichten, da in diesem Falle eine gefässerweiternde Wirkung unerwünscht ist, weil diese eine weitere Streuung der Krebszellen begünstigt. Mit einer Morphin-Lösung läßt sich ebenfalls eine gute, schmerzstillende Wirkung erzielen.
Wenn chronische Harnblasenschmerzen längerfristig bestehen, ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen.
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